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| Peter Sloterdijks »Kritik der zynischen Vernunft« (edition suhrkamp) von
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Peter Sloterdijk ist der bessere Feuilletonist
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Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Peter Sloterdijks »Kritik der zynischen Vernunft« (edition suhrkamp) (Taschenbuch) Nach dem himmlischen Spaß beim Lesen der Sphärentrilogie machte ich mich sogleich an sein älteres Opus "Kritik der zynischen Vernunft". Ich zitiere daraus: "Seit Marx, Kierkegaard und Nietzsche haben nur solche Denkanstrengungen noch Anrecht auf allgemeines Gehör, die mit den ironischen, praktischen und existentiellen Philosophieaufhebungen Schritt zu halten versprechen." (Edition Suhrkamp, S. 931). Dieses Buch ist zweifellos eine Denkanstrengung, und zwar wiederum eine höchst vergnügliche. Aber kann es auch selbst eine Philosophieaufhebung leisten, mithin eine Aufhebungsphilosophie? Nein, das will es nicht und kann es im 20. Jahrhundert vielleicht gar nicht. Die Systematik ist keine philosophische, sondern eine feuilletonistische: P. Sl. führt keine neue spekulative Substanz ein und misst diese dann am Kanon. Er dekliniert vielmehr die europäische Kulturgeschichte anhand des Begriffspaares kynisch-zynisch durch und spannt immer wieder den Bogen zwischen den Alten (Diogenes) und der Moderne. In der Sphärentrilogie verfährt er methodisch gleich, nur gebraucht er dort als Ordnungsmuster nicht ein Begriffspaar, sondern eine geometrische Form, nämlich die Kugel. Dass manche Zeitungsschreiber unseren Autor nicht gerade mögen, ist für mich ein untrügliches Zeichen dafür, dass er der bessere Feuilletonist ist. Übrigens hat man den Eindruck, dass in diesem Buch ältere Textteile wie der ganze Komplex "Weimarer Republik" in das später erfundene Ordnungsmuster integriert wurden. Der Leser kann sich also durchaus den Spaß erlauben, sich selbst als das Opfer eines raffinierten Vermarktungszynismus zu erleben, der im zu großen Titel des Buches seinen letzten Ausdruck findet. P. Sl. agiert als ein Patchwork-Autor, ein Sample-Künstler, ein DJ der Philosophie; umso enttäuschender sind seine (spärlichen) Aussagen zur Musik. Zu ihr hat er keinen Draht. Letzte Bemerkung: Sphärenrastermäßig zeigt sich P. Sl. schon in der "Kritik" als schaumartig; zynismusrastermäßig kann man bei ihm in den 20 Jahren seit der "Kritik" eine stete (Aufwärts-)Bewegung vom Kynismus zum Zynismus erkennen.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 20. August 2006 | | | | | | | |
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